China aus dem Depot verbannen? Was für und gegen ein Investment spricht – und warum Vanguard jetzt einen Ex-China-ETF plant
Vanguard plant einen ungewöhnlichen Schritt: Der neue Emerging Markets Ex-China ETF soll Anlegern die Möglichkeit bieten, gezielt in Schwellenländer zu investieren – ohne China. Damit folgt der Anbieter einem wachsenden Trend: Fonds, die bewusst auf das Reich der Mitte verzichten, gewinnen an Zulauf. Warum das so ist, wo die Chancen und Risiken liegen – und was Anleger bei der Entscheidung berücksichtigen sollten.
Warum China so lange ein Muss war
China war über Jahre das Kraftzentrum der Schwellenländer. Gigantische Wachstumsraten, explodierende Exporte, ein rasant wachsender Konsum – das Land galt als wirtschaftlicher Hoffnungsträger. Und die Zahlen beeindruckten: Über 1,4 Milliarden Menschen, rund ein Fünftel des globalen BIP und heute fast ein Drittel des MSCI Emerging Markets Index.
Auch die Börsenperformance konnte sich streckenweise sehen lassen. Zwischen 2001 und 2007 legte der chinesische Aktienmarkt fulminant zu. Und selbst nach der Finanzkrise 2008 erholten sich die Kurse schnell. Wer breit diversifiziert investieren wollte, kam an China kaum vorbei – zumal chinesische Aktien oft eine geringe Korrelation zu anderen Märkten zeigten und damit das Risiko im Portfolio senkten.
Warum China heute zunehmend gemieden wird
Doch der Glanz ist verblasst. Seit Jahren hinkt der chinesische Markt hinterher: Drei Jahre in Folge zweistellige Verluste, wirtschaftliche Abkühlung, politische Unsicherheiten. Handelskonflikte mit den USA, harte staatliche Eingriffe und unberechenbare Regulierungen haben das Vertrauen vieler Investoren erschüttert.
Der Kern des Problems: In China gelten andere Spielregeln. Viele große Unternehmen stehen unter staatlichem Einfluss. Entscheidungen folgen oft politischen, nicht wirtschaftlichen Logiken. Insiderhandel, fragwürdige Finanzpraktiken und intransparente Strukturen sind weit verbreitet. Zwar wurde das chinesische Gesellschaftsrecht reformiert, doch ob die Aktionärsrechte dort langfristig geschützt sind, bleibt fraglich.
Ein weiteres Argument: Wirtschaftliches Wachstum allein garantiert keine hohen Aktienrenditen. Das zeigen zahlreiche Studien – und besonders deutlich wird es in China. Während das BIP rasant stieg, blieben die Unternehmensgewinne oft hinter den Erwartungen zurück. Der sogenannte „Emerging Markets Trugschluss“: Wachstum kommt nicht automatisch bei den Aktionären an.
Faktencheck: Mit oder ohne China – was hätte sich besser gerechnet?
Ein Rückblick liefert harte Zahlen: Wer 1993 in den MSCI China Index investiert hätte, hätte aus 10.000 Euro rund 16.400 gemacht. Im MSCI Emerging Markets Index wären es fast 88.000 US-Dollar gewesen. Auch moderne Konzepte wie der FRDM ETF, der autoritäre Staaten meidet und auf Rechtsstaatlichkeit und Aktionärsrechte setzt, performten zuletzt deutlich besser als klassische Schwellenländerfonds mit China-Anteil.
Vanguard reagiert auf die Nachfrage
Der geplante Ex-China-ETF von Vanguard markiert einen strategischen Bruch. Bisher war das Unternehmen für seine umfassende Abbildung globaler Märkte bekannt. Der neue Fonds lässt Anleger nun selbst entscheiden, ob sie das China-Risiko eingehen wollen – oder bewusst ausschließen. Der Trend ist eindeutig: Rund 20 Fonds ohne China sind mittlerweile am Markt, mit einem Gesamtvolumen von über 17 Milliarden US-Dollar.
Fazit: Worum es wirklich geht
Ob man China im Portfolio will oder nicht, ist letztlich eine Frage der eigenen Überzeugung und Risikobereitschaft. Wer das globale Marktportfolio nachbilden möchte, wird China nicht ignorieren können. Wer jedoch Zweifel an Rechtssicherheit, politischer Stabilität und der Rolle des Staates hat, kann mit einem Ex-China-Ansatz gezielter investieren.
Der neue Vanguard-Fonds ist also kein Dogma – sondern eine Option. Eine Antwort auf ein komplexes Marktumfeld, das nach neuen Strategien verlangt.

