Diese Gesamtgutschrift wächst mit jedem weiteren Erwerbsjahr. Wer eine persönliche Prognose bis zum geplanten Pensionsantritt erstellen möchte, findet auf pensionskontorechner.at ein entsprechendes Tool. Eine oft übersehene Option ist die freiwillige Höherversicherung: Berufstätige können jährlich bis zur doppelten Höchstbeitragsgrundlage zusätzlich einzahlen und damit ihre spätere Pension aufbessern.
Doch Vorsicht: Auch Pensionen unterliegen der Besteuerung. Ein Aspekt, der viele überrascht und die Nettoauszahlung spürbar schmälert. Zudem sinkt das Pensionsniveau langfristig – eine Entwicklung, die in Deutschland bereits deutlich sichtbar ist, wo das Niveau bis 2031 bei mindestens 48 Prozent des Nettoverdienstes gehalten werden soll, sich aber auf einen “Standardrentner” mit 45 Beitragsjahren bezieht – eine Gruppe, die zunehmend zur Minderheit gehört.
Der schleichende Kaufkraftverlust
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Inflation. Bei einer moderaten Teuerungsrate von zwei Prozent – dem Zielwert der Europäischen Zentralbank – sind 1.000 Euro in 20 Jahren real nur noch unter 700 Euro wert. Auch wenn die staatliche Pension zwar nominal nicht gekürzt werden sollte, verliert diese jedoch schleichend an Kaufkraft, wenn die Anpassungen hinter der Inflation zurückbleiben.
Die zweite Säule: Betriebliche Vorsorge
Nach dem neuen Abfertigungssystem fließen automatisch Beiträge in eine Abfertigungskasse. Sofern das Arbeitsverhältnis bis zur Pension andauert und keine vorzeitige Entnahme erfolgt, steht diese Summe im Ruhestand zur Verfügung.
Ein Berechnungsbeispiel: Bei einer durchschnittlichen weiteren Lebenserwartung von 23 Jahren für 60-Jährige (laut Statistik Austria) ergeben sich 276 Monate. Eine Abfertigung von 50.000 Euro würde somit rund 181 Euro monatlich bedeuten – wobei eine vorsichtigere Kalkulation mit höherer Lebenserwartung ratsam ist.
Manche Unternehmen bieten zusätzliche Leistungen: Einzahlungen in Pensionskassen, direkte Pensionszusagen oder Beiträge im Rahmen der steuerfreien Zukunftssicherung. Diese betrieblichen Bausteine können die finanzielle Situation im Alter erheblich verbessern.
Die dritte Säule: Private Vorsorge
Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge und Lebensversicherungen bilden weitere Möglichkeiten und die dritte Säule. Eine flexiblere Variante bieten Auszahlpläne und Anspar- und Investitionsvarianten. In der ersten Variante werden nur die Erträge ausgezahlt, das Kapital bleibt erhalten. In der zweiten wird das Kapital über einen definierten Zeitraum aufgezehrt.
Ein Beispiel: Bei fünf Prozent Rendite reichen 100.000 Euro für monatlich 500 Euro über 34 Jahre. Das ist deutlich mehr als bei einer Sofortrente – allerdings auf eigenes Risiko. Wer länger lebt als kalkuliert, steht am Ende ohne finanzielle Reserve da. Das “Langlebigkeitsrisiko” ist nicht abgedeckt.
Das Gesamtvermögen einbeziehen
Sparbücher, Wertpapierdepots, Immobilien, Edelmetalle – all diese Vermögenswerte sollten in die Pensionsplanung einfließen. Auch Mieterträge aus vermieteten Immobilien sichern ein regelmäßiges Einkommen. Bei der Veranlagung gilt: Die alte Regel, im Alter hauptsächlich auf Zinspapiere zu setzen, ist überholt. Bei einer Lebenserwartung von 20 Jahren und mehr ist der Anlagehorizont durchaus langfristig genug für einen substanziellen Aktienanteil.
Wer alle Einkommensströme – staatliche Pension, betriebliche Vorsorge, private Vorsorge, Vermögenserträge – zusammenzählt und davon die prognostizierten Ausgaben abzieht, erhält das frei verfügbare Einkommen in der Pension. Diese Berechnung bringt Klarheit: Entweder sie bestätigt, dass der Plan aufgeht, oder sie zeigt frühzeitig Handlungsbedarf auf. Dann können rechtzeitig Anpassungen vorgenommen werden – höhere monatliche Sparraten, optimierte Anlagestrategie oder Bemühungen um Gehaltssteigerungen.
Mehr als nur Zahlen
Finanzielle Absicherung ist die Grundlage für einen sorgenfreien Ruhestand. Doch darüber hinaus geht es um Lebensqualität, Selbstbestimmung und die Freiheit, die gewonnene Zeit nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wer rechtzeitig plant und alle verfügbaren Instrumente nutzt, schafft die Basis für ein gutes Leben in der Pension – manchmal sogar mit mehr finanziellen Spielräumen als während des aktiven Berufslebens.
Und: Seit 2023 ist es möglich, neben der Pension unbegrenzt weiterzuarbeiten, ohne Abzüge bei der gesetzlichen Rente hinnehmen zu müssen. Eine Option, die nicht nur zusätzliches Einkommen bringt, sondern auch soziale Kontakte und Lebensstruktur erhält.
Wie bereiten Sie sich auf Ihre Pension vor?
Welche finanziellen Überraschungen habt ihr nach eurem Pensionsantritt erlebt – positiv oder negativ? Setzen Sie hauptsächlich auf die staatliche Pension, oder haben Sie bereits private Vorsorgemaßnahmen getroffen? Glauben Sie, dass Sie im Ruhestand Ihren aktuellen Lebensstandard halten können – oder erwarten Sie sogar Verbesserungen? Was sind Ihre größten finanziellen Sorgen für diese Lebensphase? (Bernhard Führer, 27.11.2025)